Gerhard Bumann

Licht-Bilder

Gerhard Bumann ist Autodidakt. 1959 in Füssen geboren, beschließt er bereits mit 12 Jahren, sein Leben dem Bild zu widmen. Er entdeckt die Photographie. Sie erlaubt ihm eine große Bandbreite an Experimenten – mit Objektiven, Filmen, Filtern, Blenden, Belichtungszeiten, und später auch bei der Entwicklung. In den ersten Jahren sind es vor allem Landschaftsaufnahmen, später verschreibt er sich vor allem Portraits und der Experimentalphotographie. Er beginnt, seine Bilder selbst zu entwickeln und im eigenen Labor zu bearbeiten. Es entstehen vielfältige, malerisch und graphisch beeinflusste Photographien, die immer mehr von der photographischen Abbildung der Realität abweichen. Immer mehr werden seine Bilder zu Photo-Gemälden, wählt er ungewöhnliche Motive, und startet neue Versuche mit unterschiedlichen Möglichkeiten der Filmbelichtung und -bearbeitung. Trotz seiner Jugend folgt er konzentriert seinem inneren Drang, mit den anfänglich unbekümmerten, dann immer zielgerichteteren Experimenten seine eigene persönliche Ausdrucksweise zu finden. Unaufhaltsam nähert er sich dabei seinem späteren Themenschwerpunkt der graphischen Motive.

Beruflich schlägt Gerhard Bumann zunächst die Karriere eines Profi-Eishockeyspielers bei mehreren Erst- und Zweitliga-Vereinen ein. Bald jedoch zeigt sich, dass er Profi-Sport und Profi-Photographie nicht mehr vereinbaren kann. Er entscheidet sich für die künstlerische Laufbahn. 1984 wird er Mitbegründer der Kunstwerkstatt Füssen. Mit Künstlerkollegen engagiert er sich für Ausstellungsmöglichkeiten unbekannter Künstler. Darüber hinaus unterrichtet er angehende Kunst-Photographen in einem Lern-Labor für Schwarz-Weiß-Photographie. 1985 wird er Assistent für Modephotographie in München. Ab 1989 orientiert er sich um und beginnt, seine Freude am Experiment als Still Life-Photograph kommerziell zu nutzen. Seit 1990 betreibt Gerhard Bumann sein eigenes Still Life-Studio mit Labor in München. Hier konzentriert er sich auf Produkt- und Werbe-Photos von Mode- und Industrieprodukten, macht aber auch Architekturaufnahmen und redaktionelle Photos -- beispielsweise photographierte er bereits mehrere Focus-Titel.

Neben der kommerziellen Arbeit reizt ihn weiterhin das Experimentieren mit der Kamera und anschließend im Labor. Seine Idee, mit Licht auf Film zu malen, verfolgt den ursprünglichen Sinn des griechischen Wortes Photographie: nämlich „Licht – schreiben/zeichnen; mit Licht schreiben“. Sie gipfelt in Werken, die nun in einer Ausstellung erstmalig öffentlich zu sehen sind. Hier werden intensive Licht-Malereien gezeigt, die sich aus kraftvollen und dynamischen Kreisen entwickeln. Auf der Grundlage einer exakt angelegten Geometrie erstrahlen leichte und luftige Kompositionen. Diffizile Zeichnungen werden zu farbig-leuchtenden Lichtgebilden. Hier steigern sich technische Brillianz und künstlerisches Talent zu ästhetischem Genuss.


(Dr. Barbara Haubold, Kunsthistorikerin)